Metanavigation:

Hier finden Sie den Zugang zur Notfallseite, Kontaktinformationen, Barrierefreiheits-Einstellungen, die Sprachwahl und die Suchfunktion.

Navigation öffnen
Nahaufname mit Tiefenunschärfe einer Tageszeitung, auf der ein Smartphone liegt. Auf dem Smartphone liegt ein Kugelschreiber.

Pressemitteilung

02.06.2022

Horizon Europe: Charité koordiniert vier neue EU-Projekte

Zurück zur Übersicht

Sie befinden sich hier:

Drei Verbünde und ein Infrastrukturprojekt im Forschungsrahmenprogramm

Die EU-Kommission hat drei europäische Verbundvorhaben und ein umfassendes Infrastrukturprojekt, geleitet von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), auf den Weg gebracht. Zwei weitere Projekte werden mit Beteiligung von Charité-Forschenden starten. Die neuen Vorhaben unter Leitung der Charité befassen sich mit Fragen der psychischen Gesundheit, einer innovativen Zelltherapie, Prognosen bei Schlaganfall und virtuellen Modellen des Gehirns. Sie sind mit Förderungen von insgesamt rund sieben Millionen Euro für die Charité verbunden. Das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union ist das weltweit größte Einzelförderprogramm.

Entdeckungen in der Gesundheitsforschung ermöglichen, innovative Lösungen finden und Forschungsinfrastrukturen auf höchstem Niveau halten – das sind Ziele des Clusters Gesundheit im Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe. Gemeinsam mit ihren europäischen Partnern können die Forschenden in den kommenden vier bis fünf Jahren nun ihre Ideen voranbringen. „Das ist ein sehr guter Auftakt im neu gestarteten Programm Horizon Europe“, sagt Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité. „Unter den insgesamt 13 zur Förderung vorgeschlagenen deutschen Anträgen mit Koordination stammen drei aus der Charité. Wir werden weiter beständig daran arbeiten, dass die Berliner Universitätsmedizin auch zukünftig im europäischen Ranking zu den 20 besten Einrichtungen des Clusters Health gehört.“ Unter den deutschen Universitäten bleibt die Charité in dieser Förderlinie damit weiterhin auf Platz eins.

Die neuen EU-Verbünde unter Leitung der Charité sind:

environMENTAL: Herausforderungen der Umwelt und ihren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit begegnen

Klimawandel, Urbanisierung und psychosozialer Stress im Zuge der COVID-19-Pandemie sind drei der derzeit größten globalen Umweltherausforderungen. Wie sie sich langfristig auf die Gesundheit des Gehirns auswirken, dem wollen Forschende um Prof. Dr. Gunter Schumann, Leiter des Forschungsbereichs Neurowissenschaftliche Populationswissenschaft (PONS) an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Campus Charite Mitte und der Fudan Universitaet Shanghai, nachgehen. Ziel ist es, Interventionen zu entwickeln, die helfen, Erkrankungen vorzubeugen oder aber frühzeitig einzugreifen. Daten von mehr als einer Million europäischen Bürgerinnen und Bürgern, Patientinnen und Patienten, darunter Bildgebungsdaten großer verhaltensbezogener Personengruppen, sollen dabei helfen, Gehirnmechanismen aufzudecken, die mit umweltbedingten Widrigkeiten verbunden sind und zu Symptomen von Depression, Angst, Stress oder Drogenmissbrauch führen. Die Bevölkerungs- und Patientendaten fließen zusammen mit Umweltdaten, Satelitendaten, Daten aus Klimamodellen und digitalen Gesundheitsanwendungen in ein komplexes Modell ein, das den Einfluss von Umweltherausforderungen auf Verarbeitungsprozesse im Gehirn beschreibt. Umfangreiche Omics-Analysen, dreidimensionale Hirnorganoide und virtuelle Gehirnsimulationen werden dazu beitragen, zugrundeliegende molekulare Mechanismen aufzuspüren. Das Wissen darüber, welche genetischen und umweltbedingten Einflüsse zu welchen Krankheitsmechanismen führen, soll dazu beitragen, individuelle Risiken abzuschätzen. Um die Behandlung umweltbedingter psychischer Erkrankungen zu erleichtern, sollen zudem gezielt Wirkstoffe identifiziert werden, die zum jeweiligen Auslöser einer Erkrankung passen und digitale Gesundheitslösungen mit Elementen der virtuellen Realität zum Einsatz kommen.

Laufzeit: 5 Jahre ab 1. Juni 2022
Gesamtfördersumme: rund 9 Mio. Euro

geneTIGA: Entwicklung einer spezifischen Zelltherapie für eine Form der chronischen Nierenerkrankung (IgA-Nephropathie)

Chronische Nierenerkrankungen, ausgelöst durch unerwünschte Immunreaktionen, nehmen deutlich zu. Sie belasten nicht nur die Betroffenen, sondern immer stärker auch Gesellschaft und Gesundheitssystem. Bei der sogenannten IgA-Nephropathie (IgAN) handelt es sich um eine Form der Nierenerkrankung, bei der es zu einer dauerhaften Entzündung der Filterteilchen, der Glomerula, in der Niere kommt, einhergehend mit voranschreitender Einschränkung der Nierenfunktion. Derzeitige Therapieformen sind nur begrenzt wirksam, unter anderem, weil sie das bei der Erkrankung gestörte Immungleichgewicht nicht nachhaltig beeinflussen. Prof. Dr. Petra Reinke ist Gründungsdirektorin des Berlin Center for Advanced Therapies (BeCAT), Mitglied des Steuerungskomitees des BIH Center for Regenerative Therapies (BCRT) und Leiterin der Arbeitsgruppe Zelltherapie und personalisierte Immunsuppression am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). Sie leitet den neuen Verbund mit dem Ziel, eine sichere und effiziente Zelltherapie, basierend auf genom-editierten, also zielgerichtet genetisch veränderten, Abwehrzellen (T-Zellen) zu entwickeln. Dabei wollen die Forschenden drei molekularbiologische Technologien erproben und neue Standards für die Sicherheitsbewertung entwickeln. Am Ende soll ein möglicher Kandidat einer spezifischen Zelltherapie stehen – sozusagen ein „lebendes Arzneimittel“, das als einmalige Behandlung für IgAN und ähnliche Erkrankungen klinisch erprobt werden soll. Darüber hinaus könnte der spezifische Therapieansatz auch bei anderen Erkrankungen mit ähnlichen Entstehungsmechanismen wirksam sein und die Entwicklung von Gen- und Zellprodukten der nächsten Generation beschleunigen.

Laufzeit: 4 Jahre ab 1. Juli 2022
Gesamtfördersumme: rund 5,7 Mio. Euro

VALIDATE: Künstliche Intelligenz hilft Prognosen und Behandlung bei akutem Schlaganfall zu verbessern

Methoden des maschinellen Lernens (ML) und der künstlichen Intelligenz (KI) werden in der Medizin zunehmend eingesetzt. Sie ermöglichen beispielsweise Prognosen für Krankheitsverläufe oder erleichtern klinische Entscheidungen wie die Wahl der optimalen Behandlung für den jeweiligen Patienten oder die Patientin. Der Einsatz entsprechender Tools führt zu verbesserten Behandlungsergebnissen, gleichzeitig können die vorhandenen Ressourcen im Gesundheitswesen bestmöglich genutzt und verteilt werden. Im Charité-Labor für künstliche Intelligenz in der Medizin (CLAIM) ist ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Ingenieuren für maschinelles Lernen, Medizinern und Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. Dietmar Frey, darauf spezialisiert, Ansätze der künstlichen Intelligenz für Anwendungen in der Medizin zu bearbeiten. Genutzt werden hierzu klinische Daten, Bildgebungsdaten, Kombinationen von beiden und Querschnittsdaten von Krankenkassen. Im nun startenden Projekt VALIDATE werden auf künstlicher Intelligenz basierende Prognoseinstrumente für die Schlaganfallversorgung entwickelt, erprobt und die Ergebnisse anschließend überprüft. Grundlage sind modernste Methoden des maschinellen Lernens wie künstliche neuronale Netzwerke und komplexe Entscheidungsalgorithmen. Die Forschenden erwarten, dass die auf großen Datenmengen beruhenden Behandlungsentscheidungen bei akutem Schlaganfall sicherer, schneller und genauer sind und in der klinischen Praxis zu besseren Ergebnissen für Patientinnen und Patienten führen. Der europäische Verbund besteht aus erfahrenen klinischen Partnerinstitutionen und Experten für die Entwicklung vertrauenswürdiger KI-Anwendungen. Ebenfalls Partner ist die europäische Allianz für Schlaganfall, Stroke Alliance for Europe (SAFE).

Laufzeit: 4 Jahre ab 01.Mai 2022
Gesamtfördersumme: rund 5,9 Mio. Euro

An zwei weiteren europäischen Verbundprojekten ist die Charité als Konsortialpartner in den kommenden fünf Jahren beteiligt:

4DPicture: Ziel des Projektes unter Federführung des ERASMUS Universitair Medisch Centrum Rotterdam ist es, die komplexen Entscheidungsprozesse in der Onkologie umzugestalten und datengestützte Entscheidungshilfen in die Behandlungspfade von Patientinnen und Patienten zu integrieren. Zum Einsatz kommen soll die sogenannte MetroMapping-Methode, ein Ansatz, der die Behandelnden wie auch die Krebspatientinnen und -patienten in die Lage versetzt, sich an der Entscheidungsfindung über eine Behandlung zu beteiligen. Ein solches Vorgehen soll zu besser informierten und individuell passenderen Entscheidungen führen, und somit zu besseren Gesundheitsergebnissen. In Berlin leitet ein Team um Dr. Maria Margarete Karsten, Klinik für Gynäkologie am Campus Charité Mitte, die Arbeiten zu Erforschung und Erprobung der Methodik.

psychSTRATA: Das Vorhaben unter der Leitung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster strebt eine verbesserte Therapie von Depression, Bipolarer Störung und Schizophrenie an. 26 wissenschaftlichen Einrichtungen unterschiedlicher Fachbereiche aus zwölf europäischen Ländern arbeiten hierbei zusammen, um eine große Menge biologischer Informationen sowie digitale und klinische Daten zu erheben und zu analysieren. Das Labor für statistische Genetik der Charité unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Ripke, ist für die Aufarbeitung und Auswertung genomischer Profile verantwortlich.

Ein umfassendes europäisches Infrastrukturprojekt werden Forschende des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) und der Charité ebenfalls künftig koordinieren:

eBRAIN-Health: Forschungsplattform für das Modellieren und Simulieren komplexer neurobiologischer Vorgänge

Das Projekt eBrain-Health unter der Leitung von Prof. Dr. Petra Ritter, BIH Johanna Quandt Professorin für Gehirnsimulation und Direktorin der Sektion Gehirnsimulation am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) und an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité, hat das Ziel, eine dezentrale, datenschutzkonforme Forschungsplattform zu entwickeln, die komplexe neurobiologische Phänomene des Gehirns simuliert. Vielfältige Informationen werden zu diesem Zweck zusammengeführt, beispielsweise aus PET-, EEG- oder MRT-Untersuchungen, aber auch aus Verhaltensstudien und Lifestyle-Erhebungen sowie klinische Daten von tausenden Patientinnen und Patienten sowie von gesunden Kontrollpersonen. Diese werden mit biologischen Informationen aus Wissensdatenbanken kombiniert und für Forschungszwecke bereitgestellt. Die dabei entstehenden digitalen Zwillinge des Gehirns erlauben es einer Vielzahl von Forscherinnen und Forschern, innerhalb einer leistungsfähigen, digitalen Plattform innovative Forschung zu betreiben. Darüber hinaus trägt die neue Forschungsinfrastruktur mit ihren nachvollziehbaren Analysepipelines zu einer reproduzierbaren Wissenschaft bei. Die komplexen, individualisierten Gehirnsimulationen unter Berücksichtigung vieler Daten wiederum haben das Potenzial, Mechanismen von Gehirnfunktion und Erkrankungen besser zu verstehen, Diagnose und Vorhersage von Erkrankungen zu verbessern und Therapien anhand des virtuellen Gehirns zu optimieren. Das Projekt umfasst 20 Partner und findet in Kooperation mit der EBRAINS AISBL, der koordinierenden Instanz des EU-Flagships Human Brain Project, statt.

Laufzeit: 4 Jahre ab 1. Juli 2022
Gesamtfördersumme: rund 13 Mio. Euro


Horizon Europe
Das neunte Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union Horizon Europe ist das weltweit größte Einzelförderprogramm für Forschung und Innovation. Es zielt darauf ab, eine wissens- und innovationsgestützte Gesellschaft und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen und gleichzeitig zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Das Programm trägt dazu bei, die Leitlinien der Europäischen Kommission umzusetzen. Insbesondere für den digitalen und grünen Wandel hat es eine tragende Rolle. Gegenüber dem Vorgängerprogramm Horizon 2020 gibt es in Horizon Europe viel Kontinuität. Neu ist, dass der Europäische Innovationsrat (EIC) institutionalisiert wurde, mit dem Ziel, Innovationen zu fördern, die neue Märkte schaffen. Außerdem wurden ein "Strategischer Planungsprozess" und "Missionen" eingeführt.

Links

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Campus Charité Mitte, PONS
Charité Lab for Artificial Intelligence in Medicine
Berlin Center for Advanced Therapies (BeCAT)
BIH-Arbeitsgruppe Gehirnsimulation l Petra Ritter

 

Kontakt

Markus Heggen
Pressesprecher
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400



Zurück zur Übersicht